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Fortuna Tarot - Dame Fortune's Wheel Tarot
Paul Huson

Verlag und Copyright ©: Lo Scarabeo,  Italien - Verlag Königsfurt-Urania
Abbildungen mit Genehmigung des Verlages

Auf der Schachtel dieses Tarots ist zu lesen "Die Eleganz der Marseiller Arkana und die kartomantischen Intuitionen von Etteilla in einem innovativen Werk im klassischen Stil...". In der Tat wirkt das Fortuna Tarot wie eine Neubearbeitung des Tarot de Marseille. Doch es ist weit mehr. Einer der auffälligsten Unterschiede zum Tarot de Marseille sind zuerst einmal die Zahlenkarten. Anders, als bei dem Marseiller Klassiker, sind die Zahlenkarten des Fortuna Tarot voll bebildert, meist mit mittelalterliche Szenen. Die Farben sind kräftiger und das Deck wirkt insgesamt bunt und lebendig. Die Kartendarstellungen zeigen eine reichhaltige Symbolik. Alle Karten tragen die traditionellen Bezeichnungen mit einer Besonderheit bei den Hofkarten. Hier sind jeweils König, Königin und Bube noch zusätzlich einer historischen, biblischen oder mythischen Persönlichkeit zugeordnet, deren Name am seitlichen Rand im Kartenbild aufgedruckt erscheint. Dabei handelt es sich interessanterweise um dieselben Persönlichkeiten, die im englischen Brigde-Spiel mit den Bildkarten verbunden werden.

Eine weitere Besonderheit bei den Kleinen Arkana ist die Interpretation der traditionellen vier Elementesymbole nach der Bedeutung, die diese im Mittelalter hatten und die in der heutigen Tarotdeutung weitgehend unter den Tisch gefallen sind. Beim Fortuna Tarot stehen die vier Symbole Stab, Kelch, Schwert und Münze nicht einfach nur für die Grundelemente Feuer, Wasser, Luft und Erde, sondern insbesondere für die vier mittelalterlichen Kardinaltugenden, welche sie einst repräsentierten. Der Stab war ein Symbol der Kardinaltugend Tapferkeit, der Kelch stand für die Kardinaltugend Mäßigung, das Schwert symbolisierte die Kardinaltugend Gerechtigkeit und die Münze oder der Spiegel waren ein Symbol der Kardinaltugend Klugheit. Eine weitere Reminiszens an das mittelalterliche Tarot findet ist sich auf der Karte des Eremiten. Dieser trägt hier nicht die heutzutage übliche Lampe, sondern, wie man es in den frühesten Tarots, wie zum Beispiel dem Visconti-Sforza Tarot findet, eine Sanduhr.

Die bedeutenste Innovation des Fortuna Tarot ist allerdings die Verbindung der heute als traditionell geltenden Kartenbedeutungen nach Waite und Crowley, mit denen des französischen Kartenlegers und Autors Etteilla (1738 - 1791). Etteilla war der erste professionelle Kartenleger der Geschichte. Zwar gilt heute Court de Gébelin als Vater des esoterischen Tarots, doch der Vater des Kartenlegens war Etteilla, der bereits vor de Gébelin Bücher über das Kartenlegen veröffentlichte. Aufgrund mangelnder Kenntnisse über seine Person wurde er im ausgehenden 19. Jahrhundert häufig als eine Art ungebildeter Wahrsager dargestellt, der angeblich im Hauptberuf Perückenmacher gewesen sein soll, was nicht der Wahrheit entsprach. Doch dieser schlechte Ruf hat sich leider bis heute gehalten. Daher ist auch kaum noch bekannt, dass viele der heute als traditionell geltenden Kartenbedeutungen im Ursprung auf Etteilla zurückgehen. Fast alle großen Tarotisten des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts haben von Etteillas Wissen profitiert. Kaum einer hat das allerdings auch offen zugegeben. Etteilla selbst hat noch zu Lebzeiten ein eigenes Tarotdeck entworfen und herausgegeben. Dabei handelte es sich um das erste Tarot der Geschichte, welches nur zum Zwecke des Wahrsagens konzipiert war. Dieses Tarot wird in einer überarbeiteten Version bis heute von dem französischen Verlag Grimaud herausgegeben. Zwei weitere, aber jüngere Versionen des Etteilla Tarots sind vor ein paar Jahren bei Lo Scarabeo/Königsfurt-Urania erschienen.

Etteillas Kartenbedeutungen sind so, dass sie einerseits recht viel Interpretationsspielraum lassen, andererseits aber, insbesondere in den Kombinationen, sehr direkt sind. Von all dem ist natürlich in dem kleinen fünfsprachigen Begleitheftchen, welches dem Fortuna Tarot beiliegt, nichts zu spüren. Hier gibt es wegen des begrenzten Platzes nur die üblichen Deutungsstichworte. Allerding liegt mit dem Fortuna Tarot ja auch kein reines Etteilla Tarot vor, sonder eben ein Deck, welches "Etteillas kartomantische Intuitionen" mit den klassischen Kartendeutungen verbindet. Es lässt sich allerdings nicht leugnen, dass man bei einigen Karten doch etwas umlernen muss. Bei der Arbeit mit dem Fortuna Tarot ist es daher von Vorteil, wenn man sich bereits mit Etteillas Deutungen und seinen Methoden etwas auskennt. Eine notwendige Voraussetzung ist es allerdings nicht und für erfahrene Tarotisten kann es in jedem Fall eine Bereicherung darstellen. Insbesondere die wenigen Etteilla-Kenner, die es heutzutage noch gibt, werden an diesem Deck ihre Freude haben. Wer sich dagegen noch nie mit Etteilla beschäftigt hat, für den könnte das Fortuna Tarot ein guter Einstieg sein.

Siehe auch: Grand Etteilla Tarot, Etteila Tarot, Tarot von Etteilla - Das Buch Thot, Tarocco Egizziano und Cagliostro Tarot

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