Grand Etteilla Tarot Kommentar zu diesem Tarot
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Verlag und Copyright ©:  Grimaud/France Cartes
Abbildungen mit Genehmigung des Verlages.

Bei diesem Deck handelt es sich um die Reproduktion eines historischen Etteilla Tarots aus dem Jahre 1826 (zu Etteilla siehe auch Tarotgeschichte, Teil 4). Das Tarot des französischen Lehrers Alliette, dessen Beruf häufig fälschlicherweise mit "Perückenmacher" angegeben wird und der sich selbst Étteilla nannte, indem er seinen Namen einfach umdrehte, entstand Ende des 18. Jahrhunderts. Es war das erste Tarot der Geschichte, welches ausschließlich zum Zwecke des Wahrsagens geschaffen worden war. Alle anderen Tarots der damaligen Zeit waren in erster Linie Spielkarten. Etteilla gestaltete viele Karten dieses Tarots um oder sogar ganz neu und änderte die Reihenfolge der Großen Arkana. Außerdem nummerierte er alle Karten von 1 bis 78 durch, womit er auch innerhalb der vier Elemente eine Reihenfolge geschaffen hat. Die Karten tragen auch nicht die üblichen Kartentitel, sondern je eine Deutungsstichwort für die aufrechte und umgekehrte Kartenbedeutung in französischer und englischer Sprache. Die "Zahlenkarten" kann man zwar nicht als voll bebildert bezeichnen, sie zeigen aber mehr, als bei den Tarot-Zahlenkarten der damaligen Zeit üblich war. Wir finden hier z.B. astrologische Symbole, numerologische Hinweise, etc.

Man kann Etteilla heute getrost als den Vater des Kartenlegens bezeichnen, während Court de Gébelin demgegenüber häufig als der Vater des esoterischen Tarots bezeichnet wird. Beide waren Zeitgenossen, doch Etteilla war - noch vor de Gébelin - der erste, der Bücher über das Kartenlegen herausgab. Sein Etteilla Tarot, welches er übrigens selbst (und ca. 150 Jahre vor Crowley) als "Das Buch Thot" bezeichnete, wurde nach seinem Tod noch mehrmals aufgelegt und war im 19. Jahrhundert sehr populär. Das Grand Etteilla Tarot von Grimaud ist die Reproduktion einer Ausgabe aus dem Jahre 1826. 

Etteilla hatte viele Schüler und Anhänger. Er galt als sehr treffsicherer Kartenleger. Vermutlich hat auch die berühmte Seherin von Paris, Marie-Anne Lenormand u.a. mit Etteilla-Karten gearbeitet. Im 19. Jahrhundert verlor sich dann aber mit der Zeit das Wissen um die Person Etteillas selbst. Man nahm an, dass er im Hauptberuf Perückenmacher gewesen wäre, was jedoch nicht der Wahrheit entspricht. Er hatte lediglich in seinen letzten Jahren im Hause eines Perückenmachers gewohnt. Gegen Endes des 19. Jahrhunderts hatte die Fama dann Etteilla zu einer Art "Jahrmarktswahrsager" degradiert, was nicht zuletzt auf die berühmten Okkultisten und Tarotisten der damaligen Zeit zurückzuführen ist. Obwohl sie alle von Etteillas Wissen profitiert hatten (die heute als traditionell erachteten Kartenbedeutungen gehen im Ursprung größtenteils auf Etteilla zurück), waren nur wenige, wie z.B. Papus, bereit, dies auch zuzugeben. Die meisten zogen lieber über den "Perückenmacher" her. 

Zu Étteillas Zeiten ging man in esoterischen Kreisen noch fest davon aus, dass der Ursprung des Tarots im Alten Ägypten zu suchen sei. Auch Etteilla selbst, sowie Court de Gébelin waren dieser Überzeugung und nach ihnen noch so mancher große Name des Tarot. Außerdem glaubte man, dass auch die Zigeuner aus Ägypten stammten und das sie es waren, die einst die Karten nach Europa brachten. So erklärt sich denn auch der Name, den Etteilla seinem Tarot gegeben hat (Das Buch Thot, s.o.), sowie der Untertitel den das Grand Etteilla heute trägt: Tarot Egyptiens (Ägyptisches Tarot) oder im Englischen Egyptian Gypsies Tarot (Ägyptisches Zigeuner Tarot). 

Ganz ist Etteilla jedoch trotz seiner Verfemung nicht aus der Tarotwelt verschwunden. In Frankreich und England gibt es bis heute Tarotisten, die das Kartenlegen nach Etteilla ausüben. In Deutschland sind sie allerdings sehr selten, was nicht zuletzt daran liegt, dass es in deutscher Sprache keine Tarotliteratur über Etteilla gibt. Man ist hier auf Insider-Wissen angewiesen. 

Der italienische Verlag Lo Scarabeo, in Deutschland vertreten durch den Verlag Königsfurt-Urania hat unter der Bezeichnung "Tarot von Étteilla - Das Buch Thot" ein Étteilla Tarot herausgebracht, welches jedoch auf eine jüngere Vorlage aus dem Jahre 1870 zurückgeht. Ein weiteres Étteilla Tarot wurde, ebenfalls von Lo Scarabeo, als Reproduktion eines anderen Etteilla-Decks, welches gleichfalls aus dem Jahre 1870 stammte, unter dem Namen "Etteila Tarot" (Etteila mit einem l (!) geschrieben) herausgegeben. 

Unter der Bezeichnung Cartomanzia Italiana wurde 1983 eine Faksimile-Ausgabe eines Étteilla-Decks in einer begrenzten Auflage von 2000 Stück herausgegeben. Das Deck ist auch als Cagliostro Tarot bekannt. Diese Faksimile-Ausgabe hält sich jedoch nicht an die historischen Étteilla Tarots. So wird z.B. die für ein Étteilla Tarot unübliche klassische Arkanareihenfolge verwendet, was der Sache jedoch keinen Abbruch tut, denn für das Kartenlegen nach Etteilla, bzw. mit einem Etteilla Tarot ist die Reihenfolge der Karten letztendlich unerheblich. Die Vorlage für diese Faksimile-Ausgabe soll ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammen. Doch scheint das Cagliostro Tarot/Cartomanzia Italiana nicht, wie das Grand Étteilla und das Tarot von Étteilla auf ein Original aus der Zeit Étteillas zurückzugehen.

Ein Sammlerstück und inzwischen leider vergriffen, ist das Tarocco Egiziano, ein aus Italien stammendes Tarot nach dem System von Etteilla. Ein weiteres Tarot, welches Etteillas Kartenbedeutungen berücksichtigt, jedoch die klassische Reihenfolge und Benennung der Karten beibehält, ist das Fortuna Tarot aus dem Jahre 2007.

Zu Etteilla siehe auch unter Waite, Crowley & Co.

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