Papus Tarot Kommentar zu diesem Tarot
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Papus (Dr. Gerard Encausse) * Gabriel Goulinat * Oliver Stephane Home






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Abbildungen mit Genehmigung des Verlages.
Das Papus Tarot ist fast schon so etwas, wie eine Legende. Als Papus, mit bürgerlichem Namen Dr. Gerard Encausse, im Jahre 1889 sein berühmtes Buch "Le Tarot des Bohemiens" (Der Tarot der Zigeuner) veröffentlichte, wurden die 22 Großen Arkana dieses Tarots von Gabriel Goulinat zur Illustration des Buches gezeichnet. Es sollte jedoch noch 20 Jahre dauern, bis auch die Kleinen Arkana hinzugefügt wurden. Erst im Jahre 1909 wurde dann das komplette Papus Tarot veröffentlicht. Es war dasselbe Jahr, in dem auch das Rider Waite Tarot erschien.

Zu Papus' Zeiten war der gebräuchliste Tarottyp der des Tarot de Marseille in verschiedenen Variationen. Bei diesem Tarottyp sind die Zahlenkarten der Kleinen Arkana nicht voll bebildert, sondern zeigen nur ihr jeweiliges Elementsymbol in entsprechender Anzahl. Tarots, bei denen die Zahlenkarten der Kleinen Arkana Bildszenen zeigen, gab es noch nicht. Die einzige Ausnahme, das Sola Busca Tarot aus dem 15. Jahrhundert, galt eher als Kuriosität, die man in einem Museum bewundern konnte. Einige Tarotisten der damaligen Zeit betrachteten die Kleinen Arkana sogar als eher unwichtig und von geringer Bedeutung. Bestes Beispiel hierfür ist Oswald Wirth. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Papus in seinem Buch zwar die Kleinen Arkana ebenfalls behandelt, jedoch nur die Großen Arkana nach seinen Vorstellungen neu entwerfen ließ. Dabei ging er in der symbolischen Darstellung aber bereits ein gutes Stück über die eher einfachen Kartenbilder des Tarot de Marseille hinaus. Deutlich ist zu erkennen, dass Papus ein Anhänger der Ägypten- und Zigeuner-Herkunftsgeschichte des Tarot war. Diese Herkunftslegende hat sich inzwischen längst als Irrglaube erwiesen. Zu Papus' Zeiten war sie aber in eingeweihten Kreisen recht weit verbreitet und hat nicht zuletzt dazu beigetragen, dass das Papus Tarot ein für seine Zeit aussergewöhnliches Deck wurde. 

Die Tatsache, dass Papus in seinem Buch auch auf die Deutung der Kleinen Arkana ausführlich eingeht, macht deutlich, dass er nicht zu denjenigen gehörte, die diesen Karten nur eine Nebenrolle zugestanden. Im Gegenteil. Anders, als viele seiner Zeitgenossen, zollte er Etteilla, dem eigentlichen Vater des Kartenlegens, durchaus Respekt und folgte ihm in vielem. Als dann zwanzig Jahre nach dem Erscheinen der Großen Arkana, diese endlich um die Kleinen Arkana ergänzt wurden, ließ er die Zahlenkarten nach dem von Etteilla selbst entworfenen Tarot, dem Grand Etteilla, gestalten. Etteilla hatte alle 78 Karten des Tarot immer als eine Gesamtheit gesehen und den Kleinen Arkana als genuso wichtig erachtet, wie die Großen Arkana. Im ursprünglichen Grand Etteilla Tarot wurden denn auch die Zahlenkarten mit zusätzlicher Symbolik versehen. Papus folgte Etteilla hier weitgehend. Teilweise ist seine zusätzliche Symbolik auf den Zahlenkarten direkt aus dem Grand Etteilla übernommen, teilweise verweist sie aber auch auf die Kabbala, etwas, das bei Etteilla fehlt. Zu Etteillas Zeiten war ein Verbindung zwischen Tarot und Kabbala noch nicht hergestellt. Dies geschah erst im 19. Jahrhundert durch Eliphas Lévi. Dessen kabbalistische Tarotlehre wird von Papus ebenfalls übernommen und in sein Tarot integriert. Sowohl die Großen, als auch die Kleinen Arkana sind mit den entsprechenden hebräischen Buchstaben versehen und in seinem Buch "Der Tarot der Zigeuner" erweist sich Papus als begeisteter Anhänger der Kabbala-Theorie.

Eine weitere Besonderheit des Papus Tarots ist das zusätzliche Auftauchen der Spielkartensymbole Kreuz, Herz, Pik und Karo auf den Hofkarten und Zahlenkarten. Auch dies geht wieder auf Etteilla zurück. Etteilla hatte das Kartenlegen zuerst mit normalen Spielkarten begonnen. Angeblich hatte er diese Kunst von einem Italiener gelernt. Aus den Spielkarten entwickelte er eigene Wahrsagekarten. Erst später wandte er sich dann auch dem Tarot zu. Allerdings betrachtete Etteilla Spielkarten und Tarotkarten nicht getrennt voneinander, sondern als verschiedene Erscheinungsformen, die aus dem selben Ursprung stammten. Daher übernahm er auch viele seiner Kartendeutungen in seine Tarotlehre. Papus folgte ihm hier insoweit, dass er den Zusammenhang zwischen Spielkartensymbolen und Elementsymbolen der Kleinen Arkana anerkennt.

Im Jahre 1909 erschien das komplette Papus Tarot in Frankreich. In England erschien Ende des gleichen Jahres das Rider Waite Tarot, welches schnell an Beliebtheit gewann, wodurch das Papus-Deck etwas in Vergessenheit geriet. 1974 erschien dann zum ersten Mal eine leicht veränderte Neuauflage in Brasilien. Einige Jahre später machte sich Oliver Stephane daran, die Papuskarten neu zu malen. Das zentrale Bild der Karten wurde dabei auf die ganze Karte erweitert und zusätzliche Symbolik, wie hebräische Buchstaben oder astrologische Symbole, die sich vorher auf dem breiten äußeren Rand befunden hatten, in das Bild integriert und teilweise leider auch ganz weggelassen. Im Jahre 1981 erschien dann diese überarbeitete Papus-Version zuerst bei Agedis in Paris mit französischen Kartentiteln und 1982 auch bei US Games Systems mit englischen Kartentiteln.

Die Karten des Papus Tarot sind etwas kleiner, als heute üblich. Die Kartenbilder selbst sind in kräftigen Farben gehalten. Leider ist das Deck in Deutschland nur schwer zu bekommen, was schade ist, denn für Sammler ist es sozusagen ein Muss. Dasselbe gilt für die Liebhaber von Tarots des Marseiller Typs. Die in Deutschland leider nur sehr spärlich vertretenen Schüler Etteillas können in diesem Deck ebenfalls eine Alternative finden, insbesondere, wenn sie gleichzeitig mit dem esoterischen Tarot arbeiten. Dagegen ist es schwer zu sagen, ob das Papus Tarot auch für Anfänger geeignet ist. Einerseits haben schon viele Novizen das Kartenlegen mit dem Papus Tarot erlernt. Andererseits ist es aber gerade für Anfänger leichter, wenn die Zahlenkarten bebildert sind. Hinzu kommt, dass die Deutungen der Kleinen Arkana des Papus Tarot nicht immer völlig mit denen des heute als traditionell betrachteten Rider Waite konform gehen. Hier muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.


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