Bereits viele Jahre vor dem Neuen Palladini Tarot schuf David
Palladini das Aquarian Tarot. Das Neue Palladini Tarot
gilt mehr oder weniger als eine verbesserte Auflage
seines Vorgängers. In Bezug auf die Kartendarstellung-
und symbolik hält sich Palladini im Großen und Ganzen
an die Rider-Waite-Tradition, weshalb das Palladini Tarot
häufig als Rider-Waite-Klon abgetan wird. Lange Zeit
hatte ich kein großes Interesse am Neuen Palladini
Tarot. Besprechungen, die ich über das Deck gelesen
hatte, überhäuften es nicht gerade mit Lob. Der
allgemeine Tonus war "nicht schlecht, aber auch
nichts Besonderes" und manchmal drang auch
unterschwellig die Meinung durch, dass es eigentlich
nicht nötig gewesen wäre, dieses Deck herauszubringen,
da es, im Vergleich mit dem Aquarian Tarot, eigentlich
nicht viel Neues brächte. Entsprechend niedrig waren
meine Erwartungen, als ich das Neue Palladini Tarot dann
in meine Sammlung aufnahm. Beim Durchsehen der Karten war
ich dann aber doch erstaunt. Klassifizierungen, die das
Deck als eher mittelmäßig und eigentlich überflüssig
abtun, werden ihm nicht gerecht. Das Neue Palladini Tarot
ist ein wirklich interessantes Deck, mit intuitiv
wirkenden Darstellungen und eindrucksvollen Farben. Es ist mehr, als einfach nur eine verbesserte
Neuauflage des Aquarian Tarot. Die Kartendarstellungen
und die Symbolik halten sich auch durchaus nicht streng
an das Rider-Waite-Vorbild. Einige Karten weichen sogar
erheblich von den Rider-Waite-Darstellungen ab. Der Autor
selbst erklärt in dem Begleitheftchen des Decks, dass er
"sich bemüht habe, nur solche Symbole darzustellen,
die im Laufe der Jahrhunderte Bestand gezeigt haben"
und weiter, dass er "gewisse Symbole ausgelassen
habe, wenn sie seines Erachtens den ursprünglichen
Inhalt verdunkelten oder offensichtlich auf historische
Ausschmückungen zurückzuführen waren". Ebenfalls
nach Aussage des Autors hat er "Elemente aus
Mittelalter, Illuminationen, ägyptischer Antike und
moderner Kunst in seinen eigenen Stil einfließen
lassen" und "versucht, alle Menschenrassen in
den Gesichtern darzustellen und die wichtigsten
religiösen Symbole einzubeziehen". Letzteres ist
ihm allerdings nicht so gut gelungen. Die Gesichter sehen
eigentlich alle europäisch aus. Bestenfalls kann man bei
einigen von ihnen mit etwas Phantasie einen ganz leichten
asiatischen Touch feststellen. Der dunkelhäutige Typus
fehlt völlig. Alle Figuren sind hellhäutig. Die
einzigen beiden Ausnahmen machen der König und die
Königin der Scheiben/Pentakel, deren Haut als
Nachthimmel dargestellt ist. Alles in allem handelt es
sich aber um ein sehr schönes, empfehlenswertes Deck,
dessen etwas "mittelmäßiger" Ruf nicht
gerechtfertigt ist. Zum Vergleich zeige ich aus
dem Neuen Palladini Tarot und aus dem Aquarian Tarot
jeweils die gleichen Karten.
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