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Verlag und Copyright ©: Lo Scarabeo, Italien - Verlag
Königsfurt-Urania Abbildungen mit Genehmigung des Verlages. | ||||||
Dies ist wieder eines der ägyptischen Tarots. Nach Auskunft des Begleitheftes setzt es sich "in besonderer Weise mit der Thematik auseinander". Die Kartendarstellungen basieren auf einem ganz bestimmten Abschnitt der altägyptischen Geschichte, nämlich der Zeit von Sethos I. bis zu Merenptah und umfasst damit die Zeit des Vaters von Ramses II. bis zu dessen Sohn. Sethos I. war der Vater von Ramses II. und Merenptah war sein 13. Sohn und sein Thronfolger. Diese Epoche hatte ihren Höhepunkt in der langen Herrschaft von Ramses II., der auch als Ramses der Große bekannt ist. So erklärt sich der Name dieses Tarots: Ramses Tarot der Ewigkeit. Die Kartenbilder sind fantastisch. Leider passen sie nur selten zu den traditionellen Kartenbedeutungen, was aber im Grunde genommen nicht weiter tragisch ist. Schließlich ist Tarot ja hauptsächlich eine Sache der Intuition. Die Kartenbilder zeigen sowohl Szenen aus dem höfischen und dem religiösen Leben, als auch aus dem Leben der einfachen Menschen der damaligen Zeit. Um die Darstellungen zu verstehen und einzuordnen ist schon einige Kenntnis der altägyptischen Geschichte und Religion notwendig. Leider vermittelt das Begleitheft nichts davon. Für die Großen Arkana werden zwar die altägyptischen Bezüge der Darstellungen genannt, jedoch ohne weitere Erklärung. Es wird wohl ganz einfach vorausgesetzt, dass jeder weiß, was z.B. "Opet" ist. Dieser Bezug wird im Begleitheft für die 18. Große Arkana, Der Mond, angegeben. Das das Wissen um "Opet" nun einmal nicht zur Allgemeinbildung gehört, sondern eher unter das Fachwissen eines Ägyptologen zu zählen ist, hier die Erklärung zu wenigstens diesem Begriff: Das Opetfest war eines der bedeutensten Feste des Alten Ägyptens, wenn nicht sogar das bedeutenste überhaupt. Es war ein reines Freudenfest, welches über 10 Tage ging. Höhepunkt war die Prozession der Statue des Gottes Amon vom Karnak-Tempel in Theben (dem heutigen Luxor) zum Luxortempel, einem weiteren großen und bedeutenden Tempel in Theben, der heute eben einfach nur noch als "Luxortempel" bezeichnet wird, um ihn von dem größten altägyptischen Tempel, der ebenfalls in Theben/Luxor liegt, eben jenem Karnak-Tempel, zu unterscheiden. Hintergrund dieses Festes war die jährliche Vereinigung des Amon mit der Göttin Hathor. Anders und etwas profan ausgedrückt: es war Amons jährliche Hochzeitsreise. Man kann es sich fast ein wenig wie unseren Karneval vorstellen, mit Imbiss- Wein- und Bierständen am Prozessionsweg, eben nicht nur ein religiöses Fest, sondern auch ein Straßenfest. Dargestellt wird dieses Freudenfest der alten Ägypter auf der Karte durch die Fassade des Karnak-Tempels direkt am Nilufer (der Tempel steht in Wahrheit jedoch nicht direkt am Ufer), einige Schreine, in denen Götterstatuen zu erkennen sind, die Spitzen von vier Papyrusboten, sowie ein Nilpferd (Symboltier der Göttin Thoeris) mit aufgerissenem Maul. Am Himmel steht der Vollmond. Vielleicht fehlt mir hier irgendwie der richtige Blick oder ich übersehe etwas, denn ich frage mich, was das denn nun mit der 18. Großen Arkana einerseits und dem Opetfest andererseits zu tun hat und wie das Opetfest als solches zur 18. Großen Arkana passt. Einige Karten zeigen nur den negativen Aspekt der Kartenbedeutung. So ist z.B. auf der Neun der Schwerter eine Enthauptung zu sehen. Abgeschlagene Köpfe hinter dem gerade Enthaupteten lassen darauf schließen, dass die dargestellte Hinrichtung nicht die erste ist und ängstlich blickende Gefangene im Hintergrund zeigen, das es auch nicht die letzte ist. Zwar ist die Neun der Schwerter natürlich keine besonders positive Karte, hat aber durchaus auch positive Aspekte, die ich in einer derart brutalen Hinrichtungsszene jedoch nicht entdecken kann. Die Aussage als solche erlaubt natürlich auch den positiven Aspekt der Karte: es bringt nichts, den Kopf zu verlieren (um das mal auf einen einfachen Nenner zu bringen). Das kann man aber auch wesentlich subtiler darstellen. Wer mit den Kartenbedeutungen nicht so vertraut ist, kriegt hier garantiert erst mal einen gewaltigen Schrecken, wenn diese Karte in einer Legung auftaucht. Wenn dann noch das kleine Begleitheft zur Karteninterpretation zu Rate gezogen wird, wird die Sache bestimmt nicht besser, denn hier ist zur Bedeutung dieser Karte zu lesen: "Rache. Vergeltungsmaßnahme. Schreckliche Bestrafung. Grausamkeit. Wildheit. Niedertracht." Das baut so richtig schön auf. Wer mit den Kartenbedeutungen nicht gut vertraut ist, wird nach dieser Karten wohl erst mal die Finger davon lassen oder das Tarot als Unsinn abtun, wenn er die Neun der Schwerter unbeschadet überstanden hat. Sorgen, ob begründet oder übertrieben, ob real oder hineingesteigert verblassen hinter der szenischen Darstellung dieser Karte. Die meisten Darstellungen sind allerdings humaner. Insgesamt gesehen ist das Ramses Tarot ein sehr schönes Deck, welches aufgrund der herrlichen Kartenbilder in keiner Sammlung fehlen sollte, das aber, von der tarotistischen Seite aus betrachtet, einige bedauerliche Mängel aufweist.
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