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Mit dem Tarot der dunklen Schatten betreten wir das Reich der okkulten Zauberbücher, der
Grimoires und der Dämonenbeschwörungen. Bereits seit Jahrhunderten gibt es zahlreiche
Legenden um solche Bücher und alte magische Handschriften. Einige dieser Bücher haben wohl
auch wirklich existiert, bzw. existieren noch. Diese "verdammten Bücher" galten als
gefährlich, wenn sie in die Hände von Unwissenden gerieten. Im Jahre 1557 wurden sie von der
katholischen Kirche verboten, was einer offiziellen Bestätigung ihrer Existenz
gleich kam und letztendlich der Legendenbildung nur förderlich war. Ursprung und
Herkunft dieser alten Bücher lässt sich heute nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Einige
dieser Schriften dürften wohl wirklich historisch gewesen sein, von anderen wiederum wird
vermutet, dass es sich um Nachahmungen handelte.
Eines der heute wohl bekanntesten Grimoires, das Necronomicon, stammt aus der Feder des
amerikanischen Schriftsteller H.P. Lovecraft (1890 - 1937). Lovecraft gehört zu den heute
bekanntesten Autoren der Fantasy- und Horror-Literatur. Für seine zahlreichen Kurzgeschichten
erfand er Dämonen, Gottheiten, Orte und Gegenstände, die dann in den verschiedenen Geschichten
immer wieder auftauchten, auch wenn diese Geschichten inhaltlich in keinem Zusammenhang
standen. Auf diese Weise erweckte er den Eindruck, dass es sich bei seinen Fantasie-Produkten
um etwas handeln könnte, dass es wirklich gibt oder einmal gegeben hat. Schließlich wurden
viele seiner Geschichten zum sogenannten Cthulhu-Mythos zusammengefasst, an dessen
Fortschreibung sich später auch weitere Schriftsteller beteiligten. Lovecraft pflegte
außerdem eine rege Korrespondenz mit anderen Autoren und erlaubte diesen, seine Figuren
zu verwenden. Das führte dazu, dass seine Protagonisten auch in Geschichten auftauchten, die
nicht von Lovecraft selbst geschrieben worden waren, wodurch sie immer authentischer
erschienen. So mancher Leser dürfte Lovecrafts Dämonen und insbesondere das Necronomicon für
etwas real Existierendes gehalten haben. Bis heute hält sich auch das Gerücht, Lovecraft
hätte nur vorgegeben, dass es sich bei seinen Figuren und insbesondere dem Necronomicon um
seine literarischen Erfindungen handeln würde.
Einigen von Lovecrafts Protagonisten begegnen wir in den Großen Arkana des Tarots der
dunklen Schatten. Auch Lovecraft selbst taucht auf. Er ist auf der Karte des Narren zu
sehen. Viele der von ihm erfundenen und so ins Leben gerufenen Figuren haben sich um ihn
versammelt. Über seinem Kopf deutet eine Lampe ihren Ursprung, bzw. Geburtsort an: im
Kopfe Lovecrafts. Diese dunklen Schatten seiner Fantasie ziehen sich durch das ganze Deck.
Dort treffen sie manchmal auf Magier und Okkultisten, die sich mit einem der alten
Zauberbücher versuchen. Das Deck wirkt schaurig schön und etwas düster. Farbenfrohe
Darstellungen wären hier allerdings auch völlig fehl am Platz. Die Kartenbilder sind
sprechend und können intuitiv gedeutet werden, auch dann, wenn man die Geschichten von
Lovecraft und die Legenden um die alten magischen Bücher nicht kennt. Manch einer mag beim
Legen mit diesem Tarot auch auf seine eigenen dunklen Schatten treffen.
Von der szenischen Gestaltung her basiert das Deck auf der Rider-Waite-Tradition, dessen
symbolische Darstellungen hier jedoch neu interpretiert und der Thematik dieses Tarots
angepasst werden. Die Bilder wirken sprechend und lassen sich auch dann gut deuten, wenn
man mit Lovecrafts Welt nicht vertraut ist. Wir begegnen Geistern, Dämonen und allerlei
fantastischen Gestalten sowie natürlich den "verdammten" Büchern und Menschen, die versuchen,
mit Hilfe dieser Bücher Macht über die Wesen des Schattenreiches zu erlangen. Einer dieser
Menschen ist Kaiser Rudolf II, der von 1576 bis 1612 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
Deutscher Nation war. Rudolf war nicht nur ein großer Kunstliebhaber, sondern auch Okkultist.
Lovecraft integriert ihn in seine Legende um die Geschichte des Necronomicon, indem er
vorgibt, Rudolf hätte sich von dem englischen Gelehrten John Dee das Buch übersetzen lassen.
Im Tarot der dunklen Schatten begegnen wird Kaiser Rudolf übrigens auf der Karte des
Herrschers. Das kleine Begleitheftchen zu diesem Tarot gibt auch für alle anderen Großen
Arkana an, um wen oder worum es sich bei den Darstellungen handelt, ohne jedoch eine Deutung
der Karten vorzugeben. Dasselbe gilt auch für die Kleinen Arkana. Hier werden sogar
überhaupt keine Einzelbeschreibungen der Karten gegeben. Stattdessen wird nur gesagt,
dass die Stäbe Lichter, die Kelche
Träume, die Schwerter
Dämonen und die Münzen
Schatten
symbolisieren. Zusätzlich wird noch beschrieben, welche Bedeutung den Zahlen in diesem Tarot
beikommt. Auf diese Weise zeigt sich das Tarot der Dunklen Schatten als ein Tarot,
welches in besonderem Maße zu individuellen Interpretationen anregt und auffordert. Für
Kartenleger, die bereits über einige Erfahrung im Deuten von Tarotkarten haben, dürfte dies
keine Schwierigkeit darstellen. Eher im Gegenteil. Anfänger könnten sich damit jedoch etwas
schwer tun, können es aber trotzdem mit diesem Deck versuchen, denn es ist auch durchaus
möglich, die traditionellen Kartenbedeutungen des Rider-Waite auf dieses Tarot zu übertragen.
Auf diese Weise ergibt sich nicht zuletzt eine Mehrschichtigkeit der Deutungsmöglichkeiten,
die das Tarot der dunklen Schatten zu einem überraschend tiefgründigen Deck machen.
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