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Als
ich dieses Tarot in die Tarotsammlung aufnahm, war
es noch gar nicht
erschienen. Ich kannte nur die Bilder einiger Karten, die mir
allerdings sehr
gut gefallen haben. Die Kurzbesprechung zu diesem Tarot beruhte denn
auch in der
Hauptsache auf Angaben, die ich von Karen Mahony, einer der beiden
Schöpfer
dieses Tarots, erhielt. Inzwischen ist das Tarot of Prague erschienen
und ich
konnte feststellen, das meine Erwartungen sogar noch übertroffen wurden.
Prag wird auch die
Magische Stadt genannt und das nicht ohne Grund. Schon die
Legende der Stadtgründung beginnt mit Magie. Angeblich hat eine
Keltische
Königin, die auch Magierin gewesen sein soll, die Stadt gegründet. Im
Laufe der Jahrhunderte haben dann viele Astrologen und insbesondere
Alchemisten
hier ihre Zelte aufgeschlagen. Darunter sollen auch so einige gewesen
sein, die
sich angeblich der Magie und der Zauberei verschrieben hatten. Etwas
von dieser
Magie wird im Tarot of Prague spürbar.
Vorlage
für die Kartenbilder des Tarot of Prague sind immer wirklich
existierende historische Prager Bauwerke, Teile von Bauwerken,
bestimmte
Plätze, Gemälde, Skulpturen, etc., jedes mit einer eigenen Geschichte.
Auf
einigen Karten wurden auch Bilder aus dem historischen tschechischen
Taroky-Spiel verwendet. Aus diesen Elementen wurden zu der jeweiligen
Kartenbedeutung
passende Collagen geschaffen. Nur merkt man kaum, das es sich um
Collagen
handelt. Selbst gezeichnete Figuren vor dem Hintergrund historischer
Gebäude
wirken so, als gehörten sie dahin. Fotografische Teile wirken wie
gemalt.
Dieses
Tarot
ist auf eine subtile Art lebendig. Da steht z.B. der Eremit im
abendlichen
Zwielicht in einer Straße in Prag, die an eine Dorfstraße erinnert. Es
scheint
sich um einen lauen Sommerabend zu handeln. Die Mondsichel steht am
Himmel. Der
Eremit hält seine Laterne, die an ein Stundenglas erinnert, hoch und
scheint
auf irgend etwas bestimmtes zu schauen. Sein Gesicht ist nur im Profil
zu sehen,
aber man bemerkt den sanften, gütigen Ausdruck. Über ihm schwebt ein
Emblem,
welches alchemistische Instrumente zeigt. Die Straße, in der der Eremit
steht,
ist die sogenannte "Straße der Alchemisten", die sich im Prager
Schloss-Komplex (Hradschin) befindet, während das alchemistische Emblem
von
einem Gebäude in der Konviktská Straße stammt. So, wie das Bild wirkt,
würde
es nicht verwundern, wenn sich der Eremit umwenden und den Betrachter
anschauen
würde. Man fragt sich auch automatisch, was der Eremit wohl dort macht.
Worauf
schaut er? Will er jemanden besuchen? Sucht er etwas? Will er auf etwas
aufmerksam machen?
Die Karten sind voller
Symbolik, ohne jedoch symbolisch überladen zu sein.
Jede Figur, jeder Ort, jedes Gebäude, jedes Symbol wurde zur
Kartenbedeutung
passend ausgewählt. In ihrer Gesamtheit erzählen sie auf jeder Karte
eine
Geschichte. Es ist Sache des Kartendeuters diese Geschichte zu
erkennen.
Manche
Kartenbilder rufen allein schon durch das Spiel mit dem Licht eine
bestimmte Stimmung hervor. Niemals handelt es sich dabei aber um eine
düstere
Stimmung. Selbst bei sogenannten "problematischen" Karten habe ich nie
das Gefühl von Gedrücktheit. Nehmen wir hierzu als Beispiel die Zehn
der
Schwerter. Da liegt eine junge Frau schlafend auf dem Boden. Genauer
genommen
handelt es sich um eine Statue, die aber sehr lebensecht wirkt. Auf dem
Kopf der
Frau befindet sich ein Blütenkranz. Ihr linker Arm ruht auf
einem Totenkopf.
Davor liegt ein Schwert, welches ihr aus der Hand gefallen
zu sein scheint.
Über der Frau schweben neun weitere Schwerter, die sie aber
nicht berühren.
Die Frau liegt vor einer Mauer, augenscheinlich eine
Schlossmauer, hinter der sich zwei von
innen her erleuchtete Türme erheben. Es scheint Abend zu
sein. Der
Himmel ist bewölkt. Trotzdem scheint der Mond leicht durch. Die
Schlossmauer
wird von irgendwo her angestrahlt, denn sie erscheint teilweise in
einem goldenen Licht. Die Szene wirkt unwirklich und real zugleich. Das
gesamte
Bild vermittelt fast etwas Harmonisches, woran nicht einmal der
Totenkopf etwas
ändern kann. Darstellung und Symbolik vermitteln die Kartenbedeutung im
Sinne
der Rider-Waite-Tradition. Die positive Seite dieser Karte wird durch
den
stimmungsvollen Ausdruck der Darstellung hervorgerufen. Liest man dann
im Buch
nach, woher die einzelnen Elemente der Darstellung stammen, so wird
einmal mehr
die Vielschichtigkeit dieses Tarots deutlich.
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