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In dem kleinen
Begleitheft, welches, wie immer, dem Deck beiliegt, sagt Mark McElroy,
dass er
"...Statt ein Deck zu schaffen, dessen Thema die Elfen waren oder ein
Deck
weiter zu entwickeln, indem ich die Elfen in die Standardgestalten
einer
RWS-Struktur zwängte (Anmerkung von mir: RWS = Rider Waite
Smith),
beschloss ... ein echtes "Elfen-Tarotdeck" ins Leben zu rufen - ein
Deck, das die Elfen selbst zu Rate ziehen können....". Nach
zehnjähriger
Beschäftigung mit dem Thema Tarot und einer intensiven mentalen
Annäherung an
die von Elfen verkörperten Wesen ist ihm das denn auch gelungen. Eine
gewisse,
immer noch vorhandene RWS-Struktur lässt sich aber auch bei diesem
Elfen Tarot
nicht ganz verleugnen. Ein recht gut nachvollziehbares Problem, mit dem sich McElroy konfrontiert sah, war die Tatsache, dass die Vorstellungen Elfen (auch Elben genannt) heutzutage wesentlich von der Beschreibung dieses mythischen Volkes in Tolkiens Herr der Ringe bestimmt sind und abweichende Darstellungen nur schwer akzeptiert werden. Doch es gibt schließlich noch weitere Elfen-Mythen. Einer dieser alten Mythen ist die Erzählung über den legendären Elfenkönig Oberon und seinen Sohn Alberich, die in verschiedenen Variationen existiert. Die berühmteste ist vermutlich Shakespeare's Sommernachtstraum. Außerdem ist Oberon die Hauptfigur in Carl Maria von Webers gleichnamiger Oper. Über Alberich ist dieser Mythos, bzw. eine Variante davon, nicht nur mit der Nibelungensage verknüpft, sondern auch mit der Stammsage der Merowinger. Das Elfen Tarot erzählt die Geschichte Oberons und Alberichs anhand der Reise des Narren, verkörpert durch Alberich, dessen bis dahin unbeschwertes Dasein abrupt endet, als der dunkle Elf Dokkalfar seinen Vater Oberon verzaubert, seine Mutter ermordet und mit vier heiligen Reliquien, einem Stab, einem Kelch, einem Schwert und einer Scheibe entkommt. Entsprechend erzählen die vier Kartensätze der Kleinen Arkana dann auch die Geschichte der jeweiligen Rückeroberung dieser Reliquien, während die Großen Arkana die Hauptgeschichte wiedergeben.
Anders, als
beim Gilded Tarot, gibt es jedoch im Elfen Tarot drei Karten, die ich
in ihrer
Darstellung als unangemessen bezeichnen würde: Auf der Karte der
Hohepriesterin
ist die ermordete Mutter Alberichs zu sehen, die in einer Blutlache
liegt. Die
Zwei der Schwerter zeigt, wie der Dunkle Elf dem kleinen Sohn Calivans
ein
Messer an die Kehle setzt um Calivan mit der Androhung der Ermordung
seines
Sohnes zur Herausgabe des Schwertes zu zwingen. Die Drei der Schwerter
zeigt das
Ergebnis: Calivan hat sich für das Schwert und gegen seinen Sohn
entschieden.
Das Kartenbild zeigt den toten Sohn in den Armen seines Vaters.
Deutlich ist die
aufgeschlitzte, blutige Kehle des Kindes zu sehen. Derartige
Darstellungen sind
nun einmal, meiner Meinung nach, unangemessen gewalttätig, da man die
symbolischen Bedeutungen, die darin enthalten sind, auch anders hätte
umsetzen Ebenfalls in
dem kleinen Begleitheft gibt McElroy an, dass "...ein mit einem
besonders
ruhigen Gemüt gesegneter Kollege und Tarotautor auf die
Vorabpräsentation von
drei "unnormalen" Abbildungen mit ungewöhnlichem Ärger reagiert
hat." McElroy führt diese Reaktion ursächlich darauf zurück, dass die
Mythen und Legenden der westlichen Kultur heutzutage in amerikanischen
und
englischen Schulen nur noch selten gelehrt werden. Aus diesem Grunde
sei vieles
in Vergessenheit geraten, was früher (mentales) Gemeingut war. Dies
wiederum
führe zu irrationalen Ängsten gegenüber dem Tarot, weil hier Symbole
auftauchen, die der "normale" Mensch nicht mehr zu deuten weiß und
deshalb als "böse" und "teuflisch" empfindet. Soweit kann
ich McElroy zustimmen. Der Autor führt dann weiter aus, dass seiner
Meinung
nach der "ungewöhnliche" Ärger des ansonsten eher toleranten
Kollegen darauf zurückzuführen sei, dass dieser ebenfalls, aufgrund
seines
mangelnden Wissens um die zugrunde liegenden Mythen die Symbolik der
fraglichen
Karten nicht Ich kenne mich
schon recht gut in den westlichen Mythen aus. Vielleicht bin ich kein
Experte
auf diesem Gebiet, aber alte Mythen wurden in meiner Familie seit
Generationen
weitergegeben. Vieles kenne ich daher von Kindesbeinen an. Das auch ich
die
Darstellungen auf diesen drei Karten anprangere hat absolut nichts mit
"unnormalen" Abbildungen zu tun, sondern ganz einfach mir der
unangemessenen Art und Weise, wie hier eine symbolische Aussage
dargestellt
wird. Das hat nichts mit dem Wissen oder Nicht-Wissen um alte Mythen zu
tun und
auch nicht mit dem Verstehen oder Nicht-Verstehen von Symbolen, bzw.
symbolischen Darstellungen und Aussagen. Hier geht es ganz einfach um
das
Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein von genügend Sensibilität um mit
diesen
Dingen umzugehen und ihre Inhalte zu vermitteln. Andere Wege der
Darstellung
hätten die Symbolik genauso gut herübergebracht. "Unnormal"
bezeichnet für mich hier nicht eine symbolische Darstellung, die völlig
anders
ist, als die Allerdings ändert das Vorhandensein dieser drei fraglichen Karten keinesfalls die Aussagekraft und den künstlerischen Wert des Elfen Tarots. Wer hätte je ein Tarotdeck gesehen, bei dem alles perfekt ist. Und wie langweilig das sein würde, wenn es so wäre. Aus der großen Menge der Lo-Scarabeo-Tarots ist das neue Elfen Tarot jedenfalls eines der wenigen, die herausragen, sowohl als Arbeitsdeck für Tarotisten, als auch als Sammlerstück für Tarotsammler. Zum Elfen Tarot gibt es einen Begleitroman, in welchem die dem Deck zugrunde liegenden Elfen-Geschichten von Mark McElroy erzählt werden. Dieser Roman ist bisher jedoch nur in englischer Sprache erschienen.
Weitere
Kartenbilder sind in der
Tarotsammlung zu sehen. Copryright © 2007 des Elfen Tarots by Lo Scarabeo, Turin |