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Nehmen
wir hierzu als ein weiteres Beispiel die 7. Große Arkana "Der Wagen".
Hier sehen wir eine eher alltägliche Szene in Prag. Eine Straße, im
Hintergrund eine Treppe und Häuser. Auf der Straße befinden sich ein
paar
Leute. Auf den ersten Blick würde man diese Szene vielleicht in das 19.
Jahrhundert datieren, aber es könnte genauso gut heute sein. Beherrscht
wird
die Szene jedoch von einem durch die Luft sausenden Wagen, der von
einem
schwarzen und einem weißen Adler gezogen wird. Der Wagen befindet sich
auf
einer Wolke, so dass er möglicherweise
von der Straße aus nicht zu
sehen ist.
Die Adler jedoch befinden sich bereits vor der Wolke und sind somit in
jedem
Fall sichtbar. Gelenkt wird der Wagen von einer weiblichen Gestalt, die
zum
Lenken jedoch hauptsächlich einen Stab benutzt, der in einer
leuchtenden Kugel
endet. Die Zügel hält sie eher lässig in einer Hand, die zudem auf
einem Buch
ruht, welches auf ihrem Knie liegt. Der Himmel vor dessen
Hintergrund der Wagen fährt, ist blau, jedoch größtenteils bewölkt. Nur
dort, wo die Wagenlenkerin sich befindet, ist der Himmel wolkenlos. Man
hat fast
den Eindruck, als würden die Wolken vor ihr
zurückweichen.
Die Karte des Wagens,
wie auch die weiter oben besprochene Karte des Eremiten
enthalten übrigens beide Elemente der ältesten bekannten Tarotkarten.
In der Regel wird der Wagenlenker ja
heutzutage als Mann dargestellt. Die ältesten Darstellungen
dieser Karte zeigen
jedoch ein Frau, nämlich die Siegesgöttin Viktoria. Wie
oben erwähnt,
erinnert
die Lampe des Eremiten an ein Stundenglas. Dies stimmt mit den
ältesten
bekannten Darstellungen überein, denn ursprünglich wurde der Eremit als
alter
Mann mit einem Stundenglas dargestellt und wir wissen heute, das damit
sehr
wahrscheinlich der griechische Gott Chronos gemeint war, der dem
römischen
Saturn entspricht.
Die Großen Arkana sind
auf den Karten nicht nummeriert. Zwar wird im Buch
zum Tarot of Prague die traditionelle Rider-Waite-Reihenfolge bei der
Beschreibung der Karten
vorgegeben, durch die fehlende Nummerierung ist aber niemand gezwungen,
sich
daran zu halten. Damit ist dies eines der wenigen Tarots, die es dem
Kartenleger
erlauben, seine eigene Reihenfolge der Großen Arkana zu verwenden.
Insbesondere
die alte Streitfrage über die richtige Einordnung der beiden
Arkana "Die
Kraft" und "Die Gerechtigkeit" wird so außer Kraft gesetzt. Mit
diesem Tarot kann es jeder seiner Überzeugung entsprechend
halten.
Wie
beim Thoth-Tarot von Aleister Crowley und Lady Frieda Harris ist auch
beim Tarot of Prague eine Große Arkana doppelt vorhanden. Die Arkana
"Der
Tod" gibt es in zweifacher Ausfertigung. Die eine richtet sich in ihrer
Darstellung nach dem Rider-Waite-Deck. Die andere ist eine eher
außergewöhnliche Darstellung des Themas dieser Karte. Jeder kann hier
nach
eigenem Geschmack entscheiden, welche Karte er verwenden möchte.
Jede
einzelne Karte des Tarot of Prague ist ein kleines Kunstwerk. Das gilt
nicht nur für die künstlerische Qualität der Kartenbilder, sondern
insbesondere auch für das, was man anfangs gar nicht so bewusst
wahrnimmt.
Vieles offenbart sich erst auf den zweiten oder dritten Blick. Sehr
hilfreich
ist hier das Buch zum Tarot of Prague. Tarotbücher, die von
Tarotautoren zu
ihrem eigenen Tarot geschrieben werden, sind häufig ganz einfach
notwendig, um
die Darstellungen des jeweiligen Tarots richtig zu verstehen. Nicht
immer sind
sie dann aber auch wirklich hilfreich. Manche sind recht oberflächlich,
andere
geben ganz einfach nur die persönliche Überzeugung des Autors wieder,
was z.B.
für
Anfänger nicht unbedingt das Beste ist. Viele sind jedoch recht
brauchbar und
einige wenige sind wirklich gut. Dieses hier ist sehr gut. Es ist
einerseits
zwar speziell für das Tarot of Prague geschrieben, andererseits aber
auch so
verfasst, das es für sich allein als Tarotbuch, insbesondere für
Anfänger, bestehen könnte.
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