|
Besprechung des
Bohemian Gothic Tarots von Elfarran:
In dieser Rezension spreche
ich vom Bohemian Gothic Tarot in der limitierten Silberausgabe von
Karen Mahony und Alexandr Ukolov und dem dazugehörigen Begleitbuch „The
Bohemian Gothic Tarot“ von Karen Mahony.
Die Karten
Die Karten sind in zwei Ausführungen erhältlich: als Standartausgabe
und in einer limitierten Sonderausgabe.
Die Karten haben die gleiche Größe wie alle Tarots aus dem Hause Magic
Realist Press, nämlich 12,8 mal 7,8 cm. Sie sind randlos, lediglich am
unteren Bildrand ist ein dunkelblau-schwarz marmorierter Rand
angebracht, auf dem der Name der Karte steht. Dieser Rand ist nur 9 mm
breit und beeinträchtigt meiner Meinung nach die Aussage der Karten in
keinster Weise. Die Papierqualität der Karten finde ich gut. Es scheint
ein solider, fester und doch flexibler Karton zu sein. Auch die
Druckqualität ist in Ordnung, alles ist klar umrissen und selbst feine
Linien sind gut erkennbar. Die Farben sind eindeutig.
Nun zu den Bildern. Wie der Name schon sagt, sollen die Karten die Zeit
der Gothic Novel Era, also der Epoche des Schauerromans einfangen. Dies
war meines Wissens im viktorianischen Zeitalter. Eigentlich befindet
sich in dem gesamten Spiel nicht eine einzige Karte, die Tageslicht
oder Sonnenlicht einfängt. Ausnahmslos alle Szenen spielen sich in der
Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ab, einschließlich der
in Gothic Novels so gern benutzen Stunden um Mitternacht, natürlich am
liebsten bei Vollmond! Die Bilder stellen eine Reihe verschiedener
Figuren dar. Allein 13 Karten konnte ich zählen, die Kinder enthalten.
Es werden viel mehr Kinder dargestellt, als mir das aus irgend einem
bisher bekannten Tarotdeck bekannt wäre. Dabei haben diese eine Aura an
sich, die unheimlich wirkt. Sie wirken so harmlos, so zart und
zerbrechlich, aber ihre Augen und ihr Lächeln verraten, dass sie
Erschreckendes im Schilde führen. Ähnlich zahlreich vertreten sind
Frauen, die im Allgemeinen sehr schön und jung sind und in der Blüte
ihrer Jahre stehen. Neben einigen Männern finden sich auch Paare oder
familienähnliche Gruppen wieder, die aber immer ein Touch
Unheimlichkeit umweht. Die heile Welt scheint das nicht zu sein. Es
gibt aber auch Karten, die sich nicht so einfach einordnen lassen. Drei
beherbergen keinerlei Personen; auf dem As der Kelche,
dem As der Schwerter und dem As der Münzen sind steinerne oder
metallene Figuren. Und auf zwei Karten lässt sich die Zugehörigkeit zu
einem Geschlecht nicht so leicht erkennen. Der Narr scheint eine
androgyne Figur zu sein, wohingegen die Königin der Stäbe eher wie eine
Transsexuelle auf mich wirkt.
Auch an Monstern, Bestien und Vampiren
darf es natürlich nicht mangeln. Tut es nicht, denn es wurden
zahlreiche Vorbilder aus der Literatur entlehnt. Zum Beispiel ist auf
dem König der Kelche Graf Dracula zu sehen, wie er die schöne Frau von
Jonathan Harker, Mina Harker, beobachtet (aus Bram Stokers Buch „Graf
Dracula“). Auch Frankensteins Monster, der Teufel, ein Werwolf und ein
Untoter mischen in diesem Tarotspiel mit.
Weitere starke Charaktere sind
Fledermäuse (die Stärke ist hier am eindrucksvollsten), Raben und
Krähen, Skelette (der Tod (wer sonst!) und die Herrscherin), Geister
und menschliche Schädel (z.B. die Welt).
Viele der dargestellten Szenen spielen in Burgen, Schlössern, Kirchen
und Parkanlagen, den Orten, an denen sich die zivilisierte Bevölkerung
im viktorianischen Zeitalter aufhielt. Weniger geeignet empfand man
Friedhöfe und Gräber, die aber ebenfalls als Hintergrund verwendet
wurden.
Die Farbgebung des Bohemian Gothic Tarot ist eher im düsteren Bereich
angesiedelt. Schwarz, Grau, Blauschwarz, aber auch Violett und Rot sind
zu sehen. Im normalen Tageslicht treten die Farben deutlich hervor und
kleine Details sind gut erkennbar. Ich persönlich finde aber, dass
Kerzenschein erst den richtigen Charme dieses Tarotdecks zu Tage
fördert. Die Bilder wirken dann fremdartig, andersweltlich und unheimlich. Die teils
kräftig gezeichneten Himmel platzen dann vor lauter Rot und Orange,
Gelb und Rosa, Violett und Blau; goldene Masken und winzig
kleine Augen leuchten dann fast magisch. Andererseits werden die feinen
Abstufungen zwischen Hellviolett, Mintgrün, Grau, Silber, Dunkelblau
und Schwarz kaum mehr sichtbar, so dass einige Karten monochromatisch
wirken. Viele Details liegen dann auch im Schatten, sind kaum mehr
erkennbar. Anfangs habe ich nicht erkannt, dass Der Narr auch ein
Gesicht hat! Und erst das Tageslicht brachte zum Vorschein, dass Der
Gehängte einen freien Oberkörper hat!
Die Rückseite des Bohemian Gothic Tarot ist reversibel, denn das Muster
ist mittig gespiegelt. Das Muster selbst ist ein Gewirr aus hellgrauen
und silbernen Pfeilern, die an die Einfassung von alten Kirchenfenstern
erinnern. Die Linien laufen zu einem menschlichen Schädel zusammen.
Dazu trägt die Rückseite die Aufschrift „Memento mori“, lat. „Bedenke,
dass auch du stirbst.“ bzw. „sterben musst.“
Die Schönheit der Sonderausgabe macht meines Erachtens die Silberfolie
aus (ansonsten ist sie mit der Standardausgabe identisch). Auf die
Karten wurde in einem speziellen Druckverfahren eine Silberfolie
aufgebracht, die den Karten einen teils gruseligen, teils
schaurig-schönen Effekt verleiht. Wenn man die Karten in schwacher
Beleuchtung betrachtet (zum Beispiel im Kerzenlicht) und ein wenig
neigt, geschieht auf einigen Karten eine wundersame Wandlung: Es
entsteht der Eindruck, dass die Karten lebendig und dreidimensional
werden. Das auf den Karten eh schon spärlich vorhandene Licht verändert
sich; mal hat ein Mond einen silbernen Hof, in dem er all sein Licht
gefangen hält, im nächsten Augenblick verstrahlt er sein Licht über die
gesamte Karte. Übrigens habe ich bisher keine Abnutzungserscheinungen
an der Silberfolie bemerken können.
Sowohl die Sonderausgabe in Silber, als auch die Standardausgabe
enthalten eine zusätzliche Karte, die mit Danse Macabre betitelt ist.
Soweit ich es verstanden habe, soll sie an einen Tanz mit dem Tod
erinnern.
Die Standardausgabe ist als Einzeldeck
mit Begleitheft und als komplettes Set mit Buch erhältlich. Die
Sonderausgabe in Silber gibt es nur als Einzeldeck mit Begleitheft,
aber ohne Buch.
Der Beutel
Der Beutel ist Teil der Sonderausgabe in Silber.
Der Beutel ist ein wundersames Ding für sich. Zuerst habe ich die
glatte, schwarze Hülle gesehen und bewundert, wie geschmeidig sie sich
anfühlt und wie glänzend sie ist. Dann erst sah ich, dass auch das
Innenfutter aus glattem, glänzendem, scharlachrotem Satin hergestellt
wurde. Zusammen bilden die beiden Farben einen Kontrast, der so
vortrefflich zum Tarotdeck passt, dass es eine wahre Pracht ist. Der
Beutel besteht laut Wäscheschild zu 100% aus Silk Satin, also aus
Satin, das aus Seide hergestellt wurde. Ich bezweifle aber, dass der
Stoff lange so schön bleibt. Einmal mit einem eingerissenen Fingernagel
oder einem anderen spitzen Gegenstand daran hängen geblieben, ist seine
Schönheit vermutlich dahin.
Der Beutel hat rechts und links ein Kordelende und lässt sich durch Zug
verschließen. An den Enden der Kordel befinden sich je drei große
Glasperlen, eine schwarze, eine rote und eine klare.
Am unteren Ende, gegenüber der Schnur zum Verschließen, ist der Beutel
mit Fransen verziert. Normalerweise bestehen die Fransen an den Beuteln
von Magic Realist Press aus Kordel. Bei diesem Beutel sind es jedoch
kleine schwarze Perlen, die aneinander gereiht und angenäht wurden. Nun
weiß ich nicht genau, auf welches Material die Perlen aufgefädelt
wurden, aber es scheint normaler Bindfaden zu sein. Ich persönlich bin
mit dem Beutel sehr vorsichtig, da so ein Faden schnell mal irgendwo
eingeklemmt wird und dann reißt. Dann hat man natürlich den Salat und
die ganzen kleinen Perlen liegen irgendwo auf dem Fußboden verstreut.
Der Beutel hat übrigens folgende Maße: 20,5 mal 13,5 cm ohne Fransen,
mit Fransen ist der Beutel noch mal 7 cm höher.
Alles in allem ist der Beutel also ein schöner Gegenstand, von dem ich
aber nicht glaube, dass seine Schönheit einem längeren Gebrauch Stand
hält.
Das Buch
Das Buch „The Bohemian Gothic Tarot“ wurde von Karen Mahony geschrieben
und ist in englischer Sprache verfasst. Es kann auch separat erworben
werden, da es NICHT Teil der Sonderausgabe in Silber ist (ISBN
1-905572-06-9).
Das Buch hat das handliche Format A5. Es hat insgesamt 232 Seiten und
gliedert sich wie folgt:
- Anerkennung und Einleitung (3 Seiten),
- eine kurze Geschichte der Gothic Literatur (der Literatur der Gothic
Novel
Era, dt. Epoche des Schauerromans) (3 Seiten),
- eine Bemerkung über den Aufbau des Buches (2 Seiten),
- eine kurze Geschichte des Tarot (3 Seiten),
- das Tarot erlernen (2 Seiten),
- Arten des Kartenlegens und Arten der Legesysteme (6 Seiten),
- Beispiele für Legesysteme (8 Seiten), darin: Eine Karte ziehen, drei
Karten
ziehen, fünf Karten ziehen, LS „Die Prager Schwelle“, LS
„Die geheimen
Ängste“, LS „Der Vampir“, inklusive Beispiellegungen,
- die großen Arkana und Kommentare zu den einzelnen Karten der Großen
Arkana (54 Seiten),
- die kleinen Arkana und Kommentare zu den einzelnen Sätzen und Karten
der Kleinen Arkana (103 Seiten), in der Reihenfolge Stäbe,
Kelche,
Schwerter und Münzen,
- Danse Macabre (2 Seiten),
- die Hofkarten und Kommentare zu den einzelnen Karten der Hofkarten
(35 Seiten),
- Schlusswort: Mit einem „dunklen“ Deck arbeiten – von Gastautor
Dan M. Pelletier (Miteigentümer von Tarotgarden.com) (5
Seiten),
- ausgewählte Biographie (2 Seiten).
Die
Ausführungen zu den einzelnen Karten des Bohemian Gothic Tarot finde
ich sehr gelungen. Zuerst wird unterschieden in „hellere“ und
„dunklere“ Bedeutungen, also solche, die sich eher am RWS orientieren
und solche, die sich mit dem Gebrauch der düsteren Karten ergeben. Sie
werden in Stichworten angegeben. Dann folgt eine kurze Ausführung dazu,
welche die Stichworte ergänzt und das Verständnis für die Karten
erweitert. Nun folgt ein Teil, der mit „Einige weitere Wege, um die
Karte zu überdenken“ betitelt ist. Darin gibt Karen Mahony teils
Anleitungen, um einige Karten miteinander zu vergleichen oder sie
zitiert aus Literatur, die für das Verständnis der Karten und der darin
agierenden Personen erhellend sein kann. Zum Schluss ist noch ein Bild
abgebildet. Manchmal ist es der Hintergrund der Karte, manchmal eine
Person, die zur Inspiration für den letztendlichen Charakter wurde.
Über das Buch verteilt sind fünf kurze Artikel zu besonderen Figuren im
Genre der Gothic Novel, im Folgenden über den Vampir, das Böse aus
fremden Ländern und von fremden Menschen, das Spukhaus oder
Spukschloss, Wahnsinn und Täuschung, der Werwolf oder die menschliche
Bestie. Zu diesen Artikeln kann ich noch keinen Kommentar geben, da ich
momentan allein mit dem Deck arbeite und sie noch nicht gelesen habe.
Resümée
Alles in allem finde ich das Bohemian Gothic Tarot sehr gelungen.
Einige Leute wird das gewählte Thema "Schauerroman" abstoßen, andere
werden sich vielleicht davor fürchten. Doch ich glaube fest daran,
dass das Bohemian
Gothic Tarot seine Fans
finden wird. Die Qualität des Decks
steht dem
zumindest nicht im Wege.
Das Bohemian
Gothic Tarot
bekommt man beim Verlag
Königsfurt-Urania (Standardausgabe) oder direkt
bei Magic
Realist Press (Standard- und Sonderausgabe in Silber) oder im
Esoterikhandel oder
im Buchhandel.
Zu diesem Tarot
gibt es eine eigene Seite: The
Bohemian Gothic Tarot
Weitere
Kartenbilder sind in der
Tarotsammlung zu sehen.
Ebenfalls von
Karen Mahony und Alexandr Ukolov erschienen sind:
Tarot of Prague
The Fairytale Tarot
The Fantastic
Menagerie Tarot
The Baroque Bohemian Cats'
Tarot
The Victorian Flower
Oracle
Victorian Romantic Tarot
Copryright © 2007 des Bohemian
Gothic Tarots by Magic Realist Press, Prag
|