Tarot des Heiligen Gral  -  Teil 2

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Sybille wuchs im Konvent von Bethanien auf. Sie vermählte sich in erster Ehe mit Wilhelm Langschwert von Montferrat, der aber schon früh starb, und in zweiter Ehe mit Guido von Lusignan. Balduin, ihr erster Sohn aus der Ehe mit Wilhelm, wurde bereist 1185 als Kind zum König Balduin V. von Jerusalem gekrönt, starb aber bereits im Jahr darauf. Sybille, die nun Streitigkeiten um die Thronfolge zu fürchten hatte, schuf vollendete Tatsachen, indem sie sich nach dem Vorbild ihrer Großmutter Melisende vom Patriarchen von Jerusalem zur Königin krönen ließ. Anschließend gab sie die Krone an ihren zweiten Ehemann Guido von Lusignan weiter und regierte mit ihm zusammen. Nach der katastrophalen Schlacht von Hattin im Jahre 1187, bei der Guido's Armee vollständig aufgerieben wurde, fiel Jerusalem an den legendären Sultan Saladin. Mit Duldung Saladins suchte Sybille Zuflucht im noch von den Kreuzrittern beherrschten Tripolis, wohin ihr Guido nach seiner Freilassung aus der muslimischen Gefangenschaft 1188 folgte. 1189 folgte Sybille ihrem Mann in das Lager des Heeres vor Akko (in der Nähe der heutigen Stadt Haifa). Akko war 1187 ebenfalls von Saladin erobert worden. Dort erlag Sybille am 25. Juli 1190 einer Epidemie. Mit ihrem Tod verlor Guido den Anspruch auf den Thron von Jerusalem. Statt seiner wurde Sybilles Schwager Konrad von Montferrat mit Unterstützung des englischen Königs Richard I. - besser bekannt als Richard Löwenherz - zum Nachfolger gewählt. Um Guido aus den internen Kämpfen um den Thron im Heiligen Land herauszuhalten, verkaufte König Richard ihm die Insel Zypern, die er kurz zuvor erobert hatte. 1192 wurde Guido erster König von Zypern.

Der Herrscher des Tarots des Heiligen Gral ist Balduin II. von Jerusalem. Balduin von Bourcq, seit 1101 auch Graf von Edessa, war von 1118 - 1131 als Balduin II. König von Jerusalem. Er war der Vater der späteren Königin Melisende, der Großmutter von Sybille. Balduin war einer der wichtigsten Teilnehmer des ersten Kreuzzuges im Heer seines Vetters Gottfried von Boullion. 1118 wurde er der Nachfolger von Balduin I. auf dem Thron von Jerusalem. In die Regierungszeit von Balduin II. fällt die Gründung des Templerordens. Bereits 1099 war der Johanniterorden gegründet worden, der ab 1113 als reiner Militärorden auftrat. Irgendwann zwischen 1118 und 1121 (das genaue Datum ist nicht sicher) gründete dann Hugo von Payns, der uns im Tarot des Heiligen Gral als Magier begegnet (s.o.), zusammen mit acht weiteren Kreuzrittern den Orden der "Armen Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel", welcher später meist nur noch "Orden der Tempelritter" geannt wurde. Die Namensgebung des Orden geht auf das Gebäude zurück, in welchem sie ihren Sitz in Jerusalem hatten. Balduin II. hatte ihnen nämlich das Gebäude seines ehemaligen Palastes überlassen. Dieser befand sich genau an der Stelle, an welcher sich der alte Tempel Salomons befunden haben soll. Angeblich sollen die Templer hier Ausgrabungen durchgeführt, bzw. Tunnel gegraben haben und dabei auf eine Reliquie o.ä. gestoßen sein. Bis heute halten sich die Gerüchte, dass es sich dabei um den Heiligen Gral gehandelt haben könnte. 

Über Hugo von Payns (1080 - 1136) ist nur wenig sicher bekannt. Er gehörte dem mittleren französischen Adel an und hatte Ländereien in der Nähe von Tonnerre in Frankreich. Hugo nahm vermutlich ebenfalls im Heer von Gottfried von Boullion am ersten Kreuzzug teil, kehrte anschließend nach Frankreich zurück und begleitete dann zwischen 1104 und 1114 den Grafen Hugo von der Champagne auf einer Pilgerreise nach Jerusalem. Dort ließ er sich nieder und gründete schließlich den wohl berühmtesten Ritterorden der Geschichte, dessen erster Großmeister er bis zu seinem Tod war. Hugo von der Champagne, der Graf, in dessen Begleitung Hugo von Payns nach Jerusalem gekommen war, trat 1125 ebenfalls den Tempelrittern bei. Dieser Beitritt war für das spätere Schicksal des Ordens entscheidend, denn Hugo von der Champagne war ein Freund des später heilig gesprochenen Abtes Bernhard von Clervaux, dem bedeutensten Kleriker der damaligen Zeit. Bernhard setzte sich für die Unterstützung des anfangs eher unbedeutenden Orden ein und sein Einfluss führte dazu, dass der Orden zunehmend Schenkungen in Form von Landbesitz bekam, die Grundlage für seinen später legendären Reichtum. Im Tarot des Heiligen Gral begegnen wir Bernhard von Clervaux auf der Karte des Hierophanten. 

Bernhard von Clervaux (1090 - 1153) war der dritte Sohn des Ritters Tescelin Le Roux. 1113 trat er dem Orden der Zisterzienser bei. 1115 gründete er das Kloster in Clervaux. Schnell wurde Bernhard zu einem berühmten Kirchenlehrer. Er unterstützte vehement die Idee der Kreuzzüge und das "Sterben für den Herrn" als höchstes Ideal der Kreuzritter. Ihm verdanken die Mönchsritterorden ihre theologische Rechtfertigung, denn bewaffnete Mönche war ursprünglich eher umstritten und galten als mit dem Mönchtum nicht vereinbar. Als einer seiner Schüler 1145 als Eugen III. zum Papst gewählt wurde, wuchs damit der Einfluss von Bernhard noch mehr. Das Zustandekommen des zweiten Kreuzzuges (1147 - 1149) ist hauptsächlich ihm und seinem diplomatischen Geschick zu verdanken. Bernhard zählte als Theologe zu den Konservativen. So bekämpfte er vehement die liberalen Lehren des zur damaligen Zeit ebenfalls sehr berühmten Petrus Abaelardus, der sich u.a. auch mit Astrologie beschäftigte. Andererseits zählte Bernhard aber auch zu den ganz wenigen Klerikern, die sich gegen Judenprogrome aussprachen. Der Grund für seine diesbezügliche humane Einstellung ist jedoch nicht in christlicher Nächstenliebe zu suchen, sondern beruhte darauf, dass Bernhard der Überzeugung war, es sei den Juden bestimmt, kurz vor dem Jüngsten Gericht zum Christentum überzutreten. Den Moslems gestand er eine derartige "Bekehrung" dagegen nicht zu, denn er war strikt gegen Friedensverhandlungen mit diesen "Heiden" und vertrat die Meinung, sie müssten entweder bekehrt oder getötet werden...

Viel wird heute darüber spekuliert, ob die Tempelritter während ihres Aufenthaltes in Palästina möglicherweise in einen viel engeren Kontakt nicht nur mit dem moslemischen Glauben, sondern auch mit alten heidnischen Religionen gekommen sein könnten, als es sich für christliche Mönchsritter ziemt. Immer wieder tauchen Spekulationen auf, denen zu Folge sie mit der Zeit eine Art eigene Religion entwickelten, die neben christlichen Elementen auch solche des Islam, des Judentums und der alten Religionen beinhaltete. Die Vermutung, die Tempelritter seien auf religiöse Erkenntnisse gestoßen, die sich mit der christlichen Lehre nicht mehr vereinbaren ließen, und hätten daher insgeheim dem Christentum abgeschworen halten sich bis heute hartnäckig. Ein seltsames, angebliches Kultobjekt des Ordens taucht dabei immer wieder auf: der Baphomet. Dieser begegnet uns im Tarot des Heiligen Gral auf der Karte des Teufels.